IGdA-Jungautorenpreis 2017

 

 

 

Wir, die Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e.V., suchen kreative und innovative Nachwuchsautoren im Alter zwischen 18 und   27 Jahren.

 

 

 

Deshalb  verleihen wir im Jahr 2017 einen

       

                      Jungautorenpreis.

 

 

 

Gesucht wird bisher unveröffentlichte, selbstverfasste Lyrik zum Thema

 

 

Weggabelungen

 

 

 

Die Preisverleihung findet im Oktober 2017 in Bad Kreuznach statt.

 

 

 

Eine Auswahl der besten Arbeiten wird in einem Almanach gedruckt.

 

 

 

Der ausgeschriebene Preis ist mit 300,- Euro und einer für ein Jahr kostenlosen Mitgliedschaft bei der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren dotiert. Jeder Autor, dessen Text in dem Almanach abgedruckt sein wird, erhält ein kostenfreies Belegexemplar und kann weitere Exemplare zu einem ermäßigten Preis beziehen.

 

 

 

Unabhängig von der Verleihung des Hauptpreises und zusätzlich stiftet der altmärkische Schriftsteller Eckhard Erxleben im Zusammenwirken mit seinem literarischen Freundeskreis und in Tradition  des  Silberbergpreises  2013   (veröffentlicht bei www.eckhard-erxleben.de) für ein weiteres in Inhalt und Form herausragendes Gedicht den mit 150,- Euro und einer Silbermünze mit literarischem Bezug dotierten

 

 

 

Jungautoren-Silberbergpreis 2017

 

 

 

Pro Autor sind jeweils drei Lyriktexte zugelassen.

 

Zusätzlich zur Einsendung bitte beifügen:

 

 

 

-        Eine Bestätigung, dass der Text aus Ihrer Feder stammt und bisher unveröffentlicht ist

 

-        Eine Genehmigung zum eventuellen kostenlosen Abdruck / zur eventuellen Vervielfältigung (sowohl Print als auch Online)

 

-        Das Alter des Autors

 

 

 

Formalia und weitere Infos:

 

 

 

Einsendeschluss: 30. April 2017 (Poststempel)

 

Einsendungen per Mail an:  gabyblattl@igda.net

 

 

 

Auf dem Postweg:

 

IGdA e.V.,

Gaby G. Blattl  

Anton-Baumgartnerstrasse 44/C3/2503,

A-1230 Wien

 

 

 

Die Leitung unserer Jury, Eckhard Erxleben und Gaby G. Blattl (Redakteurin, Herausgeberin), freut sich auf zahlreiche, interessante Einsendungen!

 

 

 

 

 

Buchpremiere an der Elbe

 

Am 03. Juli 2015 lud der Altmärkische Heimatbund e. V. und der Landkreis Stendal zu einer großen Festveranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstages des Fürsten Otto von Bismarck nach Schönhausen (Elbe) ein. Dies ist der Geburtsort des Kanzlers des Deutschen Kaiserreiches. Die Schirmherrschaft hatte der Landrat Carsten Wulfänger. Zu Beginn sprach der Präsident des Landesheimatbundes Professor Dr. Konrad Breitenborn über den Wandel der Bismarckehrung zwischen 1915 und 2015 im Laufe der sich verändernden politischen Verhältnisse. Danach referierte Norbert Lazay über Bismarcks Glaube und seine Beziehung zur Kirche. Besonders interessant aber war, dass in dieser Veranstaltung mit überregionaler Bedeutung die Premiere des Nachhallbuches zum Lyrikwettbewerb „Silberbergpreis 2013/2015“ eingebettet war. Es ist bemerkenswert, dass das Thema Heimat und dessen poetische Spiegelung einen so hohen Stellenwert in der Altmark hat. Eckhard Erxleben nutzte die Gelegenheit, um vor den Zuhörern im gut gefüllten Festsaal wichtige Akteure des Projektes vorzustellen. So zum Beispiel Rainer Sander, den Koordinator des internationalen Wettbewerbes und einige Jurymitglieder. Mit Interesse wurde aufgenommen, dass im Nachhallbuch auch Statements von Ralph Grüneberger, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, von Gaby G. Blattl, der Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA), und vom österreichischen Schriftsteller Franz Preitler enthalten sind. Der festliche Charakter der Premiere wurde durch stimmige Klaviermusik unter-strichen. Höhepunkt waren dann Gedichtvorträge durch Jurymitglieder und durch die Literaturpreisträgerin Ursula Henriette Kramm Konowalow. Zum Schluss wurde mitgeteilt, dass der literarische Freundeskreis weiter auf den verschiedensten Veranstaltungen das Thema Heimat und dessen lyrisches Echo wertschätzen wird. So gab es zum Beispiel beim Treffen der IGdA im September in der Landesbibliothek Graz ein Workshop mit dem österreichischen Schriftsteller Franz Preitler zum Thema Heimat. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Nachklang-Edition zum Silberbergpreis eindrucksvoll vorgestellt. Diese Edition ist inzwischen für viele Interessierte ein wichtiges und lesenswertes poetologisches Werk zu diesem immer wichtiger werdenden Thema geworden.





Eine poetische Wanderung durch den lebendigen Wald der 62 besten Gedichte aus dem Lyrikwettbewerb „Silberbergpreis 2013“

 

Geschrieben von Eckhard Erxleben, (Lyriker aus der Hansestadt Osterburg); begleitet bei der Wanderung durch den Gedichtewald von Cordula Scheel, (Lyrikerin aus der Hansestadt Hamburg)

 

 

So manche Waldwanderung habe ich in meinem Leben unternommen. Habe der Stille der Natur gelauscht, die Vitalität der Bäume bewundert und den Wechsel von Nadelwald zu Laubwald und von Neuaufwuchs zur Erhabenheit jahrhundertealter Baumbestände wahrgenommen. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Erscheinung der bewaldeten Landschaft hat mir zugleich Geborgenheit und diese achtsame Unruhe geschenkt, die den Blick auf die Welt genauer und irgendwie auch trauriger und fröhlicher macht.

Doch heute nehme ich mir keinen Waldspaziergang in der Natur vor, sondern möchte meinen Weg gehen durch den Wald der 62 besten Gedichte aus dem Lyrikwettbewerb „Silberbergpreis 2013“. Und ich werde den Weg nicht allein gehen. Auf dem Weg begleitet mich die Hamburger Lyrikerin Cordula Scheel, die mit zu dem Freundeskreis gehört, der diesen Wettbewerb ins Leben gerufen hat.

Voller Vorfreude auf den gemeinsamen Weg nehmen wir die Wettbewerbsedition zur Hand. Auf dem Umschlag betrachten wir nun den von Simone Struck vor vielen Jahren fotografierten Silberberg zu Schorstedt, der dem Lyrikwettbewerb seinen Namen gegeben hat. Auf dem Bild steht die alte Kiefer noch, die einst dem altmärkischen Maler Gerhard Dietrich auch als Umschlagsmotiv für mein Haiku-Buch „Echo des Moments“ gedient hat. Fast mythisch mutet es an, dass die Kiefer kurz nach dem  Malen umfiel und nun wieder Moos und Erde wird, um dann irgendwann nur noch Erinnerung zu sein. Doch rundherum wächst seit bald zwanzig Jahren schon ein junger Wald heran.

Erwartungsvoll schlagen wir jetzt die Wettbewerbsedition auf und betreten den poetischen Gedichtewald. Darin begegnet uns zuerst auf Seite 6 gleich hinter dem romantischen Waldbild von Michaela Herbst das Gedicht von Angelika Emmert aus Bayern „Und immer trage ich Heimat in mir“. Ein Text voll tiefer Gefühle und sinnlicher Genüsse, die aus der Bejahung der Heimat erwachsen können. Und schon kurz danach sind wir bei dem Gedicht „Brachland“ von Andrea Stenzel aus Niedersachsen angekommen. Hier wird in gekonnter Sprache Wichtiges angedeutet und räumt dem Leser die Möglichkeit ein, Nichtgesagtes zu Ende zu denken. „Ein eisiger Wind treibt mich fort / Ein feiner Geruch alter Schuld“. „Die Blätter der Eichen sie halten / Noch lange am Astwerk sich fest / Sie geben so eilig nicht auf“. Die letzte Zeile widmet sich dann der Betrachtung der deutschen Geschichte aus einer ruhigen und abwartenden Position: „Ich sitze und warte und schaue“. Diese Ruhe und Zukunftshoffnung aufnehmend wandern Cordula und ich weiter durch den Gedichtewald und wenden uns nun aufmerksam dem Text „Was ich von Großvater lernte“ von Heidrun Stödtler aus Thüringen zu. Liebevoll entfalten sich hier die Wege der Urvorfahren durch die Geschichte bis hin zu uns, in denen sie weiterleben durch Gene und liebevoll vererbte Kultur und Tradition. Nach wenigen Schritten stehen wir vor dem Gedicht  „Alter Baum“ von Matthias Jentzsch aus Sachsen-Anhalt. Der Lyriker spricht den alten Baum an „Aus dir soll ja neues Leben wiederkehr´n, / gibst ein Stück im großen Schauspiel dieser Welt.“ Gerne möchte ich auch dem alten Baum vom Silberberg mit den Worten des Lyrikers Jentzsch sagen: „Schon deckt Moos dich für die letzte Ruhe zu“. Durch Habsucht und Gier sind weltweit viele Wälder verloren gegangen, und ich sage lächelnd zu meiner Begleiterin: „Komm Cordula, lass uns innehalten und ein paar Gedichtebäume am Silberberg pflanzen“. Vorher ruhen wir uns aber auf Seite 10 der Wettbewerbsedition am Prignitzer „Zauberteich“ von Birgit Rasumov unweit der Biberburg aus, bevor wir weitergehen zum Gedicht „Du, Brandenburg“ von Walter Eichmann. Und der raunt uns leise zu „Euch zeigt es sich als einzigartiger Park, / Uns als geliebte Heimat – unsre Mark“. Nachdem wir auf Seite 13 das feinfühlige Landschaftsbild von Gerhard Dietrich betrachtet haben, erfreuen wir uns an dem deutlichen Bekenntnis des Dichters und Liedermachers Thomas Stein in seinem Gedicht „Hier“ zu seiner Heimat. Ähnlich sieht es der Dichter Paul-Martin Mueller aus Sachsen „Von der Scholle aus“. Mit wenigen, aber stark verdichteten Worten lassen beide Autoren vor unseren Augen die Liebe zu heimatlichen Orten aufleuchten. Und nun verharren wir vor dem Gedicht „uta von n.“ von Rainer Mund aus Thüringen. Bildmächtig beeindruckt es uns mit originellen Formulierungen „in dickmäuriger gruft, …, aber so weit vom leben?“ Das Gedicht bleibt offen und lässt Cordula und mich weiterdenken, und wir bekommen dabei mit den letzten beiden Zeilen einen schönen Impuls „ zieh  mit den vögeln der flussaue / wärm dich zu licht“. Mit diesem guten Gefühl wandern wir nun weiter durch den Wald der Gedichte und erblicken „Die alte Wasserpumpe im Dorf“ von Arno Sommerfeld aus der Altmark. Einfach und klar kommt dieses Gedicht daher und ruft doch schöne Erinnerungen an die Kindheit in mir hervor. Auch auf dem viele Jahrhunderte alten Bauernhof meiner Vorfahren in Schorstedt stand so eine Wasserpumpe, und auch ich löschte als Kind mit „Hohlhandwasser“ meinen Durst und sehe noch heute in stillen Momenten den Schatten meines Großvaters Karl über den Hof schlurfen. Nun tippt mir Cordula auf die Schulter und zeigt mir auf Seite 18 das Gedicht von Ursula Henriette Kramm Konowalow „aug´ in aug´ mit der prignitz“. Hier ist feinsinnig mit der Sprache umgegangen, und es erschließen sich dem Leser Räume, die er mit eigenen Emotionen und Gedanken füllen kann. Dazu laden die gut durchkomponierte Form des Textes und die gelungene Bildsprache ein: „ich warf das lied ins gras wie stein gewordenes brot“. Danach halten wir inne an dem Gedicht „Daheim“ von Werner Pelzer aus Nordrhein-Westfalen und sind mit ihm traurig, dass die Gier und Geschichtslosigkeit die Heimat gefährden kann. „Auf der Obstwiese / wohnt nun der Makler / er wird in die Bücher schauen / dass es Stein werde“. Jetzt blättern wir um und sehen auf Seite 18 das Ölgemälde der Schorstedterin Julia Kruse, auf der sie die romanische Dorfkirche ihres und meines Heimatortes so anrührend gestaltet hat. So ging es wohl auch Kirsten Ledwon beim Schreiben des Textes ihres Gedichtes „Flach“. Sie schaut vom Kirchturm hinab auf ihre Heimat und sagt uns „Als ich die Kindheit verließ … / Nahm ich diesen Blick mit“. Ähnliche Emotionen haben wahrscheinlich auch Waltraut Lühe aus Sachsen-Anhalt bewegt. Sie erzählt von einem alten Baum “gepflanzt auf altmärkischen Grund“, der sich nicht verbiegen lässt, und wir beiden Spaziergänger sind uns einig, dass wir das auch mit uns nicht geschehen lassen sollten. Auf Seite 24 begegnen uns von der Zeilenzahl etwas kleinere poetische Pflanzen. Es sind drei Haiku, die es in dem Lyrikwettbewerb unter die 62 besten Gedichte geschafft haben. Viel Raum zum Nachdenken über Tiefe und Sinn des Lebens lässt uns der Haikudichter Horst Ludwig aus den USA mit seinem Text. Und erst als der Nachhall seiner Worte langsam in uns zur vermeintlichen Stille wird, entfaltet sich das Gelesene weiter und öffnet auch in uns Räume der Erinnerung. In dem Haiku von Ramona Linke sehe ich unsere ehrwürdigen altmärkischen Dorffriedhöfe vor mir. Sie sind für mich Orte des Gedenkens und der Sinnsuche. Ein ganz anderes Bild taucht in mir beim Lesen des dreizeiligen Textes von Beate Förster auf. Sie erinnert an die alte Zonengrenze durch unsere Heimat, die sich nun wie ein grünes Band durch die Landschaft zieht. Ich bin ganz in den Inhalt der drei Haiku versunken und genieße das Gesagte noch wie ein leise verklingendes Echo des Moments. Da tippt mir meine Begleiterin auf die Schulter und verweist mich auf das Gedicht von Ralph Grüneberger aus Leipzig mit dem Titel „Saison in der Maiskornkammer“. „Welch ein sprachlicher Genuss!“, sagt Cordula. Aus dem harmlosen bäuerlichen Maisfeld steigt plötzlich („Aufgestellt die Bajonette / Der Kolbensoldaten“) eine Landschaft politisch und voller Energie. Sie entlädt sich im „Gemetzel der Häcksler“ und kündigt die „Eiszeit des Geldes“ an. Und dann die starken beiden letzten Zeilen: „Ausgewintert jetzt / Werden Männer und Böden“. Ja, das erleben wir gerade im historischen Zeitenlauf, und es erfüllt uns manchmal mit Bitterkeit. „Komm, lass uns weitergehen“, sage ich zu Cordula und führe sie zum Haiku-Zyklus „Schmölauer Momente“ von Ingrid Weißmann. Hier wird mit Ironie und gleichzeitiger Melancholie in zehn Dreizeilern ein altmärkisches Dorf nach der Wende portraitiert. Im letzten Haiku dann der versöhnliche Schluss: „Vertraut und tröstlich / von jeher, Altmärker Platt: / Uns Döärp is dät best“. Doch da hat meine Begleiterin schon das Gedicht „Em Ort“ von Inge Klose aus Rheinland-Pfalz entdeckt. Das kommt scheinbar ganz heiter und harmlos daher. Aber die Leichtigkeit ist gekonnt gespielt. Dahinter steckt eine gelungene Satire auf die Enge manchen Heimatortes, die manchmal gar zu viel Anpassung einfordert. In solchen Orten „Derfst de nit fegesse / wu de herre kimmst“. Und nun ruhen wir beiden Gedichtewanderer uns auf Seite 29 aus und betrachten in Ruhe das aussagestarke Bild des Wischemalers und Jägers Günter Lüder. Seine diesmal abstrakte Malweise lässt unsere Gedanken fliegen und schafft Raum für das Betrachten weiterer Gedichte. Und hören nun, wie Lea Wahode aus Bayern uns die Frage stellt „Was ist Heimat“ und dann vor allem in den ersten beiden Strophen mit Naturbeispielen die Frage selbst beantwortend diesen Begriff relativiert. „Wasser, das mich kühlt, / Sagt der Fisch. / Wind in meinen Federn, / Sagt der Vogel“. In dem Gedicht „Klick Facebook-Home“ von Elke Riedel grüßt das lyrische Ich die Heimat cool und satirisch: „Glaub du wirst es liken. / Heimat – hey! / … / Bis bald, mein alter Freund“. Danach müssen wir erst mal mit Petra Czernitzki einen „Jämmerling“ trinken und uns mit der „Hamburger Deern im Bielefelder Regen“ bei „Korn mit Sardelle“  angeregt unterhalten. Anschließend können wir mit Julia Siebert, die genau wie Elke Riedel aus Nordrhein-Westfalen kommt , über die „Heimat“ sagen: „Hier weiß ich, / wie schnell die Gerüchte reifen und / welche Gerüche die Nase streifen“. „Hier weiß ich Bescheid, hier kenn ich mich aus / hier bin ich daheim, hier bin ich zu Haus“. Danach kommt uns das Gedicht „Badewanne“ von Johanna Schmittmann aus Brandenburg  gerade recht. „Windböen drohen mit / kaltem Hauch. / … / drinnen das / Paradies“. Und ebenfalls  entspannt geht es im Gedicht „vielleicht wird es ein tag wie morgen“ von Hendrikje Schulze weiter. Wir sind schon beim Lesen total locker und haben uns auf einen von wackeren Bauern zusammengetragenen Lesesteinhaufen am Waldrand gesetzt: „ sommerhitze, hängematte, wolken gucken / stare schwärmen, elstern tratschen, mücken jucken“. Dann trinken wir Gedichtewanderer noch erheitert lächelnd in aller Ruhe ein Wasser aus einer reinen Waldquelle und blättern die nächste Seite der Wettbewerbsedition um und schauen auf die Grafik von Angela Gundula Hoffmann. Sofort wird klar, dass die Künstlerin hier die Tiefe, die Bedeutung und Widersprüchlichkeit des Heimatbegriffes in Deutschland gestaltet. Das Bild ist eine gezeichnete Erzählung zur deutschen Geschichte und lädt den Betrachter zum längeren Hinschauen und Nachdenken ein. So sind wir gut eingestimmt auf das Gedicht „Vlast“ von der jungen Dichterin Katharina Vater aus Bayern. Sie blickt noch einmal auf ihren nun hinfälligen Großvater, den sie nicht mehr nach seinen Gedanken zur Heimat befragen kann. „Warum nie ausgesprochen, nie gefragt, nie gesagt? / Nur gedacht“. Dann folgt das Gedicht „Verspätet“ der ebenfalls noch jungen Dichterin Verena Kramer. Wir sind uns einig, dass wir es hier mit einem lyrischen Talent zu tun haben. Die Dichterin personifiziert den Begriff „Heimat“. „Neben klapprigen Melodien / steht ein kleines Mädchen, Heimat, zittrige Hände, Koffer / schon fast vergessen, zerdrückt von Träumen aus New York und / Reisen nach Costa Rica und Flucht und verschlossenen Gesichtern“. So geht es weiter mit originellen Worten und Metaphern. Sehr gut, dass der Schluss dem Leser Raum zum eigenen Denken und eigener Antwort lässt. „Wer braucht schon Heimat, wenn er die / Welt haben kann, fragt einer. / Ich vielleicht, ich, sagt jemand. / die anderen schweigen“. In so manchem zum Lyrikwettbewerb eingereichtem Gedicht wird das Bedauern ausgedrückt, die Kriegsgeneration nicht nach ihrem Leben, nach ihren Taten und nach ihrem Denken befragt zu haben. Das bringt Hannelore Strack in ihren Gedicht „Vater“ auf den lyrischen Punkt: „warum nur / nicht hingehört / als du versucht hast / sie ungestellt zu beantworten“. Aber manche Menschen aus der Kriegskindergeneration haben doch geantwortet. Herta Emge aus Nordrhein-Westfalen hat es sogar mit einem Gedicht getan und es zum Silberberg- Lyrikwettbewerb eingereicht. „Kriegsende 1945 – ohne Heimat“ ist der Titel des Gedichts. Es handelt von Flucht und Vertreibung . Darin heißt es „mit Sorgen, Hunger, Durst / … / zog Mutter den Handwagen / ich drückte dagegen“. Das sind Zeilen, die sich ins Gedächtnis prägen. So geht es mir auch mit dem Gedicht „ABSCHIED NACH GRIMMELSHAUSEN“ von Armin Leonhard Fischer. In Großbuchstaben und in archaischer Sprache geschrieben, kommt es mir vor wie ein einzeln stehender Baum in einer fremd gewordenen Landschaft. „MEIN VATERLAND IM SCHNELLEN SCHRITT / IST FREMDE MIR GEWORDEN UND GEBLIEBEN / … / DIE FAHNE HOCH ICH LASS SIE FALLEN / EIN LETZTER BLICK AUF DIE RUINEN“. Der Text ermöglicht einen nachdenklich machenden Blick in die deutsche Geschichte. Gleich auf der Seite daneben das Gedicht „Deutschland – eine Liebeserklärung“ von Sarah Katharina Kays. Sie sagt klar, wie es heute leider manchmal nur noch wenige tun „Zurückfinden zur Tugend / Zurückfinden zum Ansehen / Zurückfinden zur Tradition / Zurückfinden zu uns: stolz / erhaben / gewissenhaft / … / bei den Händen gehalten und geblüht im Glanze dieses Glücks“. Ein spannender und widersprüchlicher Spaziergang durch den Gedichtewald. Der kommt mir vor wie ein schöner Park mit so ganz verschiedenen Sichtachsen auf die Geschichte des deutschen Volkes. Nun blättern wir die nächste Seite der Edition um und betrachten die Grafik von Thomas Sander. Wir merken gleich, dass hier ein Künstler weiß, wovon er zeichnet. Er hat das Leid der Leute von Horno mitempfunden, als ihr Ort der Braunkohlenförderung weichen musste. Welch ein Heimatverlust mitten im Frieden und ruhigen Zeiten. Damit leitet Thomas Sander die nächsten Gedichte ein, deren Thema Abschied und Trennungsschmerz im ganz persönlichen Erleben  ist. Wir begegnen dem Gedicht „Elternhaus“ von Anke Stroman aus Niedersachsen. Die Kinder nehmen Abschied von ihrem Zuhause. „Erinnerungen werden wach, wir lachen, erzählen, weinen“. In schöner Sprache wird hier anrührend der Abschied vom Elternhaus und den Eltern lyrisch gestaltet. Es ist ein Gedicht, das fast wie eine Erzählung daherkommt und bei Cordula und bei mir ganz persönliche Erinnerungen an die Orte unserer Kindheit weckt. „Das Haus ist leer, der Geruch bleibt, unsere Eltern / Im Garten in der Natur fühlen wir noch intensiver / Alte Bäume, knorrig, vertraut, schattenspendend / Teerunden, Familienfeste, Lachen, Klönen mit Nachbarn…“ Ein ähnliches Thema gestaltet Peter Thiers aus Sachsen in seinem Gedicht „Stufen zählen“. In stimmigen Metaphern wird hier die innere Bewegung der Abschied nehmenden Menschen zur Sprache gebracht. „Wir nehmen den Rest Kisten / Die übrigen paar Kilo Heimat / Und zählen ein letztes Mal / die Stufen“.

Und nun stehen wir ergriffen vor dem Gedicht „Nachspiel“ von Brigitta Weiss. Cordula und ich kennen die Dichterin aus vielen persönlichen Begegnungen im Rahmen der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA) sehr gut. In ihrem Gedicht sind die Reime von Strophe zu Strophe in hoher künstlerischer Vollendung  verschachtelt und gleichzeitig regelmäßig gesetzt. „Der Wald, der Steinbruch und der alte Weiher, / Sie spielen mir noch immer Kindheit vor, / Als hätten sie das Bühnenbild bewahrt. / Spielt auch der Leiermann die alte Leier, / Singt auch das alte Lied der Kirchenchor, / So fühle ich mich doch getäuscht, genarrt“. Unsere Freundin, die Dichterin und Shakespeare–Übersetzerin Brigitta Weiss ist viel zu früh verstorben und konnte an der Preisverleihung am 22. Juni 2013 im Rathausfestsaal zu Gardelegen nicht mehr teilnehmen. Ihr Gedicht „Nachspiel“ wurde als Nachruf dann in der Literaturzeitschrift „aktuell“ abgedruckt  und wurde so für viele Freunde der Dichterin ein bewegendes Abschiedswort.

Jetzt blättern wir weiter und stehen vor dem Gedicht „heimat 1“ von Srᵭan Keko. In kurzer klarer Sprache wird hier das Wesentliche gesagt: „das land / aus dem ich komme / kanns nicht sein / nicht mehr / das land / in dem ich lebe / wills nicht sein / noch nicht“. Und dann wird in einem kreativen Bild Antwort gegeben: „heimat / das ist der höchste punkt / im sprung nach vorn“. Und schon sind wir gelandet beim Gedicht „Die Baustellen“ von Henrike Prochno aus Berlin. Es beruhigt und macht Hoffnung, dass hier eine junge Frau Worte findet, die das Bewahren und Erhalten des Originalen und Wertvollen in der deutschen Hauptstadt Berlin einfordern. „Sie schlagen Ecken / und Kanten ab, / verstümmeln / das Gesicht meiner Stadt / säubern es von all dem, / was ungewöhnlich ist, / walzen es platt, / bis es ist wie all die anderen“. Wir stellen fest, dass hier die Stadt von Henrike Prochno personifiziert wird und wie manch andere Dichter in der Wettbewerbsedition stärkt sie das Bewusstsein, Individualität und auch Traditionswertschätzung zu bewahren und uns die Ecken und Kanten unseres durch die deutsche Geschichte und das Besondere unserer jeweiligen Heimatregion und unseres Familienkreises geprägten Charakters nicht vom jeweiligen „Zeitgeist“ abschleifen zu lassen. Hohe Subjektivität und Beobachtungsgabe spricht auch aus dem Gedicht „Aus fremdem Getümmel schallen Stimmen“ von Antje Bock, die ebenfalls aus Berlin ihr Gedicht eingesandt hat. Die große Stadt ist ihr am Anfang fremd als neue Heimat: „Aus fremdem Getümmel schallen summende Stimmen, / Gar wie von Bienen, mit unbekannten Zielen. / … / Doch irgendwann dreht sich die Stadt zu Dir um und macht einmal Halt / Um Dich mitzunehmen und zu empfangen. / Gesichter lächeln Dich an und manch eines schenkt Dir / Die Geborgenheit zurück und dazu den Anfang des neuen Erinnerns.“ Also hat Erinnern einen Anfang und kann auch neu sein. Darüber sprechen meine Begleiterin Cordula und ich noch eine Weile und setzen unseren poetischen Spaziergang  fort. Dann hebe ich unter einem Nadelbaum etwas auf. Oder besser gesagt, ich schlage die Seite 53 der Wettbewerbsedition auf und betrachte den von der Künstlerin Caterina Behrendt gezeichneten Zapfen. Ich schaue genau hin und entdecke in den fein gearbeiteten Bleistiftstrichen des Kunstwerkes Lebensgeschichten und Symbole, die mich bewegen. Auch Cordula schaut jetzt genauer hin und entdeckt ebenfalls Geschichten. Aber teilweise liest Sie anderes daraus, als ich es mache. Sehen wir es im Zapfen oder hat uns das Bild angeregt, nach innen in uns selbst zu schauen. Kann es vielleicht sein, dass auch die Künstlerin diese Dinge nicht willentlich hineingezeichnet hat, sondern vielleicht das Unbewusste ihre Hand führte? Darüber diskutieren wir noch eine Weile, auf einem alten, am Waldrand liegenden Baumstamm sitzend, und betrachten nun das von uns als sehr originell empfundene Gedicht „milchhaut“ von Axel Görlach aus Bayern. Ein ungewöhnliches Thema verzaubert uns auf beschwingte leichte Art und nimmt uns mit in ein Staunen aus früher Kindheit. Wie fein beschrieben ist dieser „hauch von kakaostaub“, der aus Großmutters blauer, winziger Dose auf die Milchhaut geschneit ist. Und als die Verzauberung nach der Berührung der Milchhaut durch den Finger der Großmutter zerstört ist, wissen wir: „nicht alles schöne hält / unsrer berührung stand“. Nun gehen wir weiter, bewegen uns in Richtung des Textes „Heimatgedicht“ von Roland Bärwinkel. Voller Geschichtsbewusstsein reiht der Autor aussagestarke Bilder aneinander. „Manches kommt wie der Meteorstein in der Kirchenwand von sehr weit her“. Dann die konkrete Aussage: „Manchmal ist Heimat schwer zu ertragen, / wie des andren Gewinn oder eigner Verlust“. Doch es bleibt Raum für Cordula und mich, über den Heimatbegriff weiter nachzudenken, denn „Nicht selten hält ihr Geheimnis sich versteckt, / ein Katzenkind, wenn man es sucht. / Es leuchtet, wie wenn ein Pferd seinen Brustlatz leckt“. Noch in Gedanken versunken, treten wir an den Text des jungen Dichters Chris Hiller heran. Hier verlässt jemand seine Geliebte, glauben wir beim ersten Lesen. „Liebste, ich geh / … / Aus dem Nest / lass ich mich falln, / Aus deinem Schoß / Zieh ich meinen Kopf.“ Dann wissen wir, hier wird nicht die Liebste verlassen, sondern die Heimat, die geliebte natürlich. Doch der Autor will zurückkehren mit einem Mädchen und einem Sohn. Das Gedicht von Chris Hiller ist gut aufgehoben neben dem titellosen Liebesgedicht von Manuela Bibrach. „In deinem Brombeernacken nisten frühe Schwalben“. Welch eine originelle Wortschöpfung, welch ein schönes Bild. Die Liebende beheimatet sich im Körper des Geliebten. „Dein Leib ist jeder Millimeter helles Heimatland“. Voller Körperlichkeit auch das Gedicht „Am Strand“ von Heike Haltenhoff. Sehr sinnlich wird hier ein Strandspaziergang eine Metapher der Körperlichkeit des Heimatgefühls „… die Zehen … / nehmen lautlos Sandkörner auf, tragen / sie des Wegs ein Stück, gekieseltes Glück.“ Ebenso bildstark und uns indirekt beheimatend kommt das Gedicht „Das Küstengehirn“ von Brigitta Klaas Meilier aus der Schweiz daher. Eine schöne Wortschöpfung ist dieser Titel. Das Naturgehirn unter der „grünen Pelzmütze“ und die Schwalben fliegen wie Gedanken in die Löcher der „rotsandigen Steilküste“ ein und aus. Doch nun durchwandern wir schon die Seite 61 der Wettbewerbsedition. Mit Respekt stehen wir vor dem Bild der Kunsterzieherin Margret Hoffmann. Hier ist in fast kubistisch anmutender Manier eine Stadtlandschaft  in markanten Rot- und Gelbtönen gestaltet, die mich an meinen Heimatort Osterburg erinnert. Ein Bild voller Kontraste, expressiver Formen und mit viel Energie aufgeladen. Es lenkt uns hin zu neuen Landschaften, die ich nun gemeinsam mit meiner Begleiterin betreten möchte. Und sind inzwischen angelangt beim Gedicht „Landkarte, gelebt“ von Tina Willms. Hier zoomt sich jemand liebevoll in die heimatliche Landschaft hinein. Da ist zuerst der Angler, dann ein Wald, jetzt rückt eine Bank mit wucherndem Hahnenfuß buchenbeschirmt in den Focus, nun ein Bienenvolk und danach trottet ein zeitvergessener Dachs durchs Bild. Dann findet die Betrachterin ihr Haus und bebildert seine Geschichte, „bis sie am Ende / uns gehört: dir und mir.“ Cordula und ich schauen uns an. So also wird Heimat zugehörig zu uns und so werden wir zugehörig zur Heimat. Und wir wandern weiter zum Gedicht „Calw“ des Dichters Karl-Heinz Kirchherr aus Baden-Württemberg. Ein Mann, der seine Stadt kennt und wohl auch sehr liebt. „In weiten, sanften Bogen friedlich wiegend / fließt still die Nagold durch ihr enges Tal. / … / hier spür ich das Zuhause, will ich bleiben, / hier soll auch meine letzte Bleibe sein.“. Unter den 1.947 zum Wettbewerb eingereichten Gedichten sind viele, die wie Liebeserklärungen an die Heimatdörfer und Städte sind. Manche kommen aber auch ganz frech daher und nehmen den Heimatort keck und selbstironisch auf die Schippe. „Hier leben schlaue Füchse, / Katzen mit lila Fell, / … / Es wird ein Narr zum König, / ein Weiser zum Gespött. / … / Stadttreiben kunterbunt, / grüßt mir alle Affen, / ich bleibe bunter Hund.“ So heißt es in dem satirischen Gedicht „Großstadt“ von Ralfeva Millionär aus Bayern. Jetzt können sich auch Cordula und ich der leicht spöttischen Frage von Friedhelm Rudolph aus Niedersachsen zuwenden, wenn er im Titel seines Gedichtes fragt „liegt melle in westfalen?“ Die Frage wird nicht beantwortet, aber der tief durchdachte und wohl auf Lebenserfahrung basierende Text lehrt uns „städen kieken / dat unsichtboare“. Markantes sagt uns auch in seinem Gedicht „der alte weg“ der Autor Andreas Knapp: „es gibt wege / die haben sich / tief eingegraben / in die windungen / des gehirns / unauslöschlich“. Beeindruckt stehen wir nun vor dem Text „Wurzeln“ der Dichterin Luise Frentzel aus Thüringen. Die junge Frau hat den Mut, sich in ihrer Gedankenlyrik klar zur Heimat zu bekennen: „Wenn keiner mehr irgendwo herkommen will, / kann man die Menschen gleich neu erfinden. / Man muss schon ganz sein, um die Welt zu erleben, / Identität lässt sich nur mit Wurzeln begründen“. Wir blättern weiter und sehen uns die Waldlandschaft im zarten Aquarell von Otto Mewes an. Wir betreten diese gemalte Landschaft und stoßen als nächstes auf den Text „Garten. Weiß.“ der Dichterin Undine Materni aus Dresden. Ein sehr interessantes Gedicht, in dem Spannung durch Verfremdung und Perspektivenwechsel aufgebaut wird. In der vierten Strophe heißt es: „… Hinter den Worten  / hockt immer noch eine andere / Wahrheit …“. Wir lesen das Gedicht noch einmal in aller Ruhe und spüren den im Text verborgenen Geheimnissen nach, doch verraten hier und jetzt nichts. Jeder mag selbst nochmal nachlesen und auf seine eigene Art das unter dem Schnee Verborgene finden, denn im „Weiß sind alle Farben zu Hause“. Ganz still und auf leisen metrischen Sohlen kommt das Gedicht „Noten“ von Richard Mede aus Oerlinghausen, der Partnerstadt Osterburgs, daher. Eine Katze läuft durch die verschneite Stadt „und druckt ganz sacht und leis / viel Noten – und kaum Pausen in das Weiß.“ Cordula und mir geht es wie dem Dichter, „denn diese (Noten) wecken Kinderlieder / aus Zeiten voller Trost und Schnee.“ Nun sind wir beim Gedicht „barkenhoff“ von Michaela Schröder angelangt. Ein wahrlich feinsinniger Kunstgenuss, und wir erfreuen uns an den raffinierten und hintergründigen Anspielungen auf bedeutende deutsche Dichter und Künstler: „einmal wie rilke im barkenhof / … / ein nistplatz für vogeler die zugvögel der suche /  sich wortlos finden …“ Dann meldet sich Bernhard Winter zu Wort mit „In meinem Land, bayrisch blau-weiß“. Voller Heimatliebe und zugleich weltoffen teilt er uns mit: „farbige Fäden / im weiß-blauen Teppich, / lebendiges Weben / bayrisch vertraut“. Danach treten wir ein in die Welt des Sonetts. Zwei Gedichte dieser alten Form haben es in die Wettbewerbsedition geschafft. Da wäre zuerst das Gedicht „Die Alb im Nebel“ von Werner Theis. Und er fragt: „Wo blieben Kraft und Mut, wo war der Halt, / Um trotz des Nebels noch ein Ziel zu sehen?“ Und Antwort, wenn auch in der Deutung offen bleibend, wird uns in der vierten Strophe gegeben: „Es blinkte, rechts, ein Lichtstrahl oberhalb / Des Albtraufs. Er schien lächelnd zu verstehen.“ Auch Wolfgang Rinn bedient sich in seinem Gedicht „Grenzerfahrung“ der Form des Sonetts. Er beschreibt uns seine sehr subjektive und seelenvolle Erfahrung, „da Berges Rand und Himmel sich berühren, / sich öffnet uns ein heimatlicher Raum …“ Nachdenklich schauen wir nun auf Seite 77 auf das von Annika Kleist mit Kohle und Pastellkreide gemalte Bild. Eine alte Schreibmaschine, Blumen im Hintergrund, eine im Aschenbecher noch qualmende Zigarette und ein aufgeschlagenes Buch schaffen für Cordula und mich diese spannungsvolle und aufgeschlossene Atmosphäre, um den nun noch folgenden sechs Gedichten mit offenem Herzen entgegenzugehen. Und da kommen wir schon an beim Gedicht „heimat“ von Magret Peper. Heimat ist für die Dichterin „keine geräusche auf dem deich“ und „ein schatten fährt / eine schubkarre voll mist /…/ es riecht nach schnee“. Die aufbewahrten Regionalseiten werden bei einer Tasse Kaffee zum Zugehörigkeitsgefühl. Und wir lernen auch, dass Heimatgefühl mitnehmbar ist: „im hotelzimmer meine sachen / verstreuen / und bücher - / das ist so praktisch zum mitnehmen!“. Und danach befinden wir uns mit Constanze Woywodt „Auf der Tangerbrücke“. In diesem Gedicht wird Heimat konkret abgebildet. Einfach schöne altmärkische Natur wird hier bedichtet und wir beneiden fast die Fische „Scheinbar mühelos, den Kopf flussauf gerichtet, / stehen Forellen im Wasser , / wartend, dass ihnen / die Nahrung entgegen schwimmt.“ Ein ruhiges und entspanntes Lebensgefühl, nach dem auch wir Menschen uns manchmal sehnen und hoffen, es in der Heimat zu finden. Leichtfüßig, voller Witz und raffiniert verschlüsselt kommt das Gedicht von Steve Kußin daher. Wir erlernen die „Handhabung eines erst neulich erworbenen Nutzgegenstandes“. Einen Briefbeschwerer hat er sich gekauft, der „unruht“ schon und hofft „beschwert“. Doch es kommt keine Post. Haben ihn denn alle vergessen und „beleiben“ irgendwelche Bücher mit Schrift, statt ihm ein paar Zeilen zu schreiben. Ihm, der doch so einen wunderbaren Briefbeschwerer hat. Doch sein Freund Heinrich sagt ihm, dass er zwar einen Briefbeschwerer hat, aber dass es noch an einem „Briefbehälter“ mangelt. Der Dichter weiß nun „So dumm gescheitert bin ich nun gescheiter,“. Cordula und ich schauen uns an. Wir sind uns einig, dass wir ganz unbeschwert gute Adressaten für schöne und gedankenreiche Gedichte sein möchten. Auch die Heimat soll in uns gute Empfänger finden, wenn sie ihre lockenden Signale aussendet. Da kommen wir gerade in der richtigen Stimmung beim Text der Dichterin Safiye Can aus Hessen an. Schon der Titel macht uns gespannt „Möglicherweise ganz und gar“. Ein Gedicht voller Weltoffenheit und sensibler Individualität. „Vielleicht ist Heimat eine todernste Sache mit Schnauzbart / oder ein barfußgelaufenes Stück Seebrücke / die Zerbrechlichkeit der Mohnblume unserer Kindheit“ oder ist sie „Frau Grün vom Erdgeschoß / die über alles schimpft, vielleicht.“ Noch über das in viele bemerkenswerte Bilder übersetzte Heimatempfinden der Autorin nachdenkend kommen wir an beim Gedicht von Rita Grohs „Diese Probe ist also“ Hier sind starke Gefühle eindrucksvoll und nachdrücklich in treffenden Bildern gestaltet. „… Liegend auf Gras / Haare darin und Gedanken verflochten…“ Und dann das Bekenntnis zum lohnenden Leben, zu den Gefährten zu Mensch und Tier. „Spüre und lausche, höre / euch an erwisch mein Leben, / den Mut und steh auf.“ Jetzt sind wir auf Seite 83 beim Gedicht „abschied“ von Andreas Marquardt angekommen, das so symbolträchtig den Gedichtewald abschließt und den Blick für die nun zu begehende weite Landschaft öffnet. Hier wird originell und wortschöpfend mit der Sprache umgegangen. Trauer und Liebe zur Muttersprache spricht aus der Zeile „in meiner sprachmutter langsamem sterben“. Hier redet ein lyrisches Ich voller Wehmut und Zorn von der Heimatvergessenheit so mancher Zeitgenossen. „heimat du mildes tier / viel zu zahm bist du mir, / da sie dich so schlagen“. Über die Heimat nachdenkend, geht der Dichter durch die Natur „mit dem sand unter meinen zehen / und das leicht gewellte wasser / das den grund / ich sehen kann / was wahr wird / abschiedgehen“. Mit der Wortschöpfung „abschiedgehen“ endet das Gedicht. Aber Cordula und ich sind uns einig, dass uns dieser Text mehr zum Heimatfinden als zum Heimatabschied inspiriert. Wie die Schwalben auf dem abschließenden Umschlagsbild von Michaela Herbst schauen wir nach der langen Wanderung durch den Gedichtewald noch einmal zurück auf die 62 Gedichte, denen wir in ihrer Formenvielfalt und Gedankentiefe begegnet sind. Wir fühlen uns bestärkt in unserem Bemühen, nicht von der Heimat zu lassen und sie zu lieben und uns immer wieder zu beheimaten in Landschaft, Tradition, im Wohlwollen und in der Sprache der Menschen rings um uns.

 

 

JUNI 2013

 

Im Januar 2012 wurde unter der Schirmherrschaft des Altmärkischen Heimatbundes der Lyrikwettbewerb Silberbergpreis 2013 ausgerufen. Das Wettbewerbsgeschehen wurde vom literarischen Freundeskreis des Osterburger Schriftstellers Eckhard Erxleben organisiert und fachlich begleitet.

Mit Einsendeschluss vom 31.12.2012 lagen der Jury 1.947 Gedichte von 1.012 Dichterinnen und Dichtern aus Deutschland und von deutschsprachigen Lyrikern aus vielen anderen Ländern vor. Aus den Gedichten spricht oft die Liebe zur deutschen Heimat, zur jeweiligen Landschaft und Region und manchmal ist es auch ein Fluss, ein Gebirge oder ein besonderer Baum, der Anker für die Beziehung zur Heimat wurde. Bei einigen Lyrikern ist es das Elternhaus, die heimatliche Tradition oder einfach der kleine Feldweg, der hinter dem Haus der Kindheit vorbeiführte. Aus vielen Gedichten spricht aber auch die Angst, dass mit der globalen Gleichmacherei das lokale und individuelle Kolorit der Heimat verschwindet. Heimat heißt für so manchen Lyriker auch die poetische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen und die heimatliche Verwurzelung in ihr, die Kraft und Hoffnung für ein gelingendes Leben geben kann. In den Gedichten aus dem ländlichen Raum spricht oft auch die Sorge, dass die jetzigen gesellschaftlichen Bedingungen die ursprüngliche Vitalität der Dörfer verschwinden lässt und ein wichtiges Kulturgut, das Dorf mit Kirche, Schule, traditionellen Geselligkeiten, Dorfkrug, Feuerwehr und Sportverein, bald nicht mehr da sein wird.

Manche Gedichte setzen sich auch mit dem Wegziehen oder Wegmüssen aus der Heimat und mit der Heimatfindung an neuen Arbeits- oder Lebensorten auseinander. Das sind Gedichte, die die Widersprüche zwischen Heimatliebe und Entfremdung zum Gegenstand der Poesie erheben. So wird das Verlieren und die Suche nach neuer Heimat ebenfalls oft zum lyrischen Thema.

Die Jury hat aus den fast 2000 beim Wettbewerbskoordinator Rainer Sander eingegangenen Gedichten die besten Texte ausgewählt und die Preisträger benannt. Es gibt also einen ersten, zweiten und dritten Silberbergpreis. Dazu kommt der Jugend-Silberbergpreis. Außerdem ging, wie in der Ausschreibung angekündigt, ein Regionalpreis in die Altmark und einer in die Prignitz. Darüber hinaus wurde 20 Dichterinnen und Dichtern als Anerkennungspreis das von Eckhard Erxleben geschriebene und von mehreren Grafikern handsignierte Buch „Echo des Moments“ übergeben. Weitere 36 Autoren wurden als Zeichen der Wertschätzung ihrer Lyrik in die Wettbewerbsedition aufgenommen, die ihnen während der Preisverleihung überreicht wurde.

Auf einer Festveranstaltung im Rahmen des 16. Altmärkischen Heimatfestes am 22. Juni 2013 um 16.00 Uhr im Festsaal des Rathauses zu Gardelegen wurden die Sieger geehrt. Die Veranstaltung wurde von Simone Struck moderiert. Wir freuen uns besonders, dass zu diesem Anlass der Heimatbund eine Wettbewerbsedition mit den 62 besten Gedichten herausgegeben hat. Diese Edition enthält auch Bilder von 10 Künstlerinnen und Künstlern mit Bezug zum Heimatgedanken. Das sind die in der Altmark und zum Teil darüber hinaus gut bekannten Künstlerinnen und Künstler Caterina Behrendt, Gerhard Dietrich, Michaela Herbst, Angela Gundula Hoffmann, Margret Hoffmann, Annika Kleist, Julia Kruse, Günter Lüder, Otto Mewes und Thomas Sander. Dazu auch noch eine Fotografie des sagenumwobenen Silberberges bei Schorstedt/Altmark, die von Simone Struck aufgenommen wurde. Auf die Empfängerin des Hauptpreises wartete neben dem Preisgeld auch die den Preis symbolisierende Keramik von Kathrin Kückel-Schulz aus Wittenberge. Die zweite Preisträgerin erhielt neben dem Preisgeld eine Grafik der Leipziger Künstlerin Annika Kleist. Der Empfänger des dritten Preises erhielt neben dem Preisgeld eine Grafik der Kunsterzieherin Angela Gundula Hoffmann.

Alle den Wettbewerb aktiv unterstützenden Mitwirkenden sind begeistert von der Resonanz, die dieser Literaturwettbewerb gefunden hat. Mehrere zehntausend Menschen haben die Wettbewerbshomepage angeklickt und sich dafür interessiert, was da so literarisch von der Altmark ausgehend passiert. Durch diesen Wettbewerb wurde das poetische Nachdenken über Heimat angeregt und in die viel beachtete öffentliche Diskussion gebracht. Und das wollten wir ja auch.

        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der literarische Freundeskreis Eckhard Erxleben

                                 schreibt hiermit den

         SILBERBERG- LYRIK- LITERATURPREIS 2013

                                             aus 

 

 

Es geht darum, den altehrwürdigen Begriff Heimat wieder mit neuer junger poetischer Energie aufzuladen. In den eingesandten Gedichten soll Heimat gesucht werden in der bewohnten Landschaft, in der Liebe zu Menschen, im Respekt vor der Natur und letztendlich in der eigenen Seele.

 

 

Die genauen Wettbewerbsbedingungen finden Sie unter:

 

 

www.silberbergpreis.jimdo.com

 

 

 

Wer diesen Wettbewerb durch ein Sponsoring unterstützen möchte, der melde sich bitte unter eckhard.erxleben@web.de bei mir und meinem literarischen Freundeskreis.

 

 

Unterstützer des Wettbewerbes:

 

Heute (07.02.2012) hat der Vorstand des Altmärkischen Heimatbundes beschlossen, die Schirmherrschaft über die Durchführung des Silberberg Literaturwettbewerbes zu übernehmen. 

 

Die Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e.V. ( Geschäftsstelle in Wien) wird diesen Wettbewerb in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Das gilt ebenfalls für den Wiesenburg Verlag. Die Keramikerin Kathi Kückel aus Wittenberge stiftet die Siegerplastik. 

 

Inzwischen ist der Einsendetermin verstrichen. Es haben sich 1012 Lyriker mit 1947 Gedichten beteiligt. Die Sieger werden persönlich informiert und zur Preisverleihung im Juni 2013 eingeladen.


Inzwischen ist der Wettbewerb, die Auszeichnung der Sieger und die Veröffentlichung der Wettbewerbsanthologie längst Geschichte. Aber es gibt eine Nachklang-Edition. Darin wird untersucht, welche neuen lyrischen Inhalte und Formen es zu dem gerade jetzt sehr bedeutsamen Thema Heimat gibt. Gerne können Sie diese Edition beim Altmärkischen Heimatbund oder bei mir bestellen.